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Retro-Joystick #64: Virtual Boy Controller

11 July 2026 at 21:35

Modell: Virtual Boy Controller . Hersteller: Nintendo. Erschienen: 1995

Als in den 90ern alle nach „3D“ schrien, wollte auch Nintendo ganz vorne mitspielen. Das Ergebnis: der 1995 erschienene Virtual Boy – 50% Zukunftsvision, 50% Design-Experiment  (und 100% Spielspaß-Katasrophe, wie viele Spötter sagen würden). Mit seinem stereoskopischen Display sollte er räumliches Sehen ins heimische Wohnzimmer bringen. Was auf dem Papier revolutionär klang, erwies sich in der Praxis als…  gewöhnungsbedürftig. Verantwortlich zeichnete niemand Geringeres als Game-Boy-Schöpfer Gunpei Yokoi. Doch sein Konzept wich radikal von bisherigen Nintendo-Handhelds ab: Statt mobiler Leichtigkeit gab es eine auf einem Stativ montierte Brillenkonstruktion.

Aber da wir hier in der Rubrik Retro-Joystick sind, befassen wir uns nicht so sehr mit dem Gerät selbst, sondern seinem Controller. Und dieser ist mit seinem doppelten Steuerkreuz ohne Frage innovativ, fast schon experimentell! Passend zur rot-schwarzen Spielgrafik ist auch der Controller sehr sparsam in der Farbgebung: größtenteils schwarz, sorgen zwei rote Knöpfe für einen Farbakzent. Ihr ahnt es: Ausgerechnet der Controller ist das gelungenste Element des Virtual-Boy-Systems. Er liegt gut in der Hand und wirkt durchdacht konstruiert. Doch sechs AA-Batterien, die an der Unterseite eingeschoben werden, machen das Gesamtpaket unnötig schwer und unhandlich.

So bleibt der Virtual Boy ein faszinierendes Stück Technikgeschichte – mutig gedacht, aber nur bedingt gelungen. Und selbst der Controller ist nicht perfekt.

Virtual Boy Controller
Der Aufbau des Virtual Boy Controllers ist symmetrisch…
Virtual Boy Controller
..im Gegensatz zu modernen Controllern fehlen jedoch die Analogsticks.

 

Retro-Joystick #63: U-Force

15 June 2026 at 11:43

Modell: U-Force . Hersteller: Brøderbund . Erschienen: 1989

Die Suche nach neuen Möglichkeiten, Spieler tiefer ins Geschehen zu ziehen (und ihnen noch ein weiteres Gadget zu verkaufen…) führte Ende der 80er zu allerlei kuriosen Eingabegeräten. Eines davon war das U-Force von Brøderbund, ein Bewegungssensor-Controller fürs NES. Das Versprechen: Hände weg vom Pad! Statt Knöpfe zu drücken, sollte man einfach mit den Händen in der Luft fuchteln – das Infrarot-System würde den Rest erledigen.

Der Controller besteht aus zwei Paneelen, die man wie einen Laptop aufstellen oder flach aufklappen kann. Für Enthusiasten gab es Zusatzgriffe wie die Power-Bar (mit Zusatzbuttons für Punch Out!!), die T-Bar (für Rennspiele) und die Firing Grips (für Ballerspiele).

In der Praxis erwies sich das U-Force eher als “Proof of Concept” denn als richtiger Controller: Die Sensoren reagierten träge, Gesten wurden kaum erkannt – und wer hoffte, mit Top Gun wirklich abzuheben, landete meist hart auf dem Boden der Realität. Im Grunde war es fast unbenutzbar – aber es war modern und sah ungewöhnlich aus…

Das U-Force sieht aus wie ein Laptop oder ein spezielles Grafiktablet.
Die Griffe mit den physischen Buttons bieten eine eher klassische Steuerungsoption.

Retro-Joystick #62: Power Glove

9 May 2026 at 10:07

Modell: Power Glove . Hersteller: Nintendo . Erschienen: 1989

Mit dem Power Glove (allein der Name klang schon nach Zukunft damals) für das NES wollte Nintendo Bewegung ins Videospiel bringen – buchstäblich. Denn der Power Glove übersetzt Bewegungen der rechten Hand direkt in Aktionen auf dem Bildschirm. Die Bewegungserkennung basiert auf Ultraschall-Sendern und -Empfängern, die die Position des Handschuhs im Raum erfassen, während Flex-Sensoren Bewegungen der einzelnen Fingern registrieren sollen.

In der Realität war und ist das Ganze jedoch eher ein Fall von „gut gemeint, schlecht gemacht“. Die Steuerung reagiert nur träge, das Tracking ist ungenau – und die beiden exklusiven Titel für die Peripherie, Super Glove Ball und Bad Street Brawler, konnten den Power Glove ebenfalls nicht retten. Schon nach einem Jahr zog Nintendo den Stecker.

Heute gilt der Power Glove, der in Japan übrigens von der Firma PAX vertrieben wurde, als Kultobjekt. Er ist ein Symbol für Nintendos Experimentierfreude. Und wer weiß: Ohne diesen kuriosen Vorreiter hätte es vielleicht nie die Wii und ähnliche Konzepte wie Kinect oder PlayStation Move gegeben!

Power Glove
Der Power Glove wird an der rechten Hand getragen…
Power Glove
…sodass die linke die programmierbaren Buttons bedienen kann.

Retro-Joystick #61: Saturn 3D Controller

23 January 2026 at 20:39

Modell: Saturn 3D Controller . Hersteller: Sega . Erschienen: 1996

„Sega does what Nintendon’t“, wie es damals hieß – und so veröffentlichte Sega das 3D Control Pad für das Saturn einen Monat vor Nintendos N64. Das Gamepad, das mit dem Spiel Nights into Dreams ausgeliefert wurde war somit streng genommen der erste Analog-Controller einer Heimkonsole.

Anders als Nintendos etwas eigenwillige Dreizack-Lösung setzte Sega auf ein klar verständliches Layout – sodass man nicht lange überlegen musste, wie man den Controller hält. Entworfen wurde das Pad von Kenji Tosaki, der maßgeblich am Design der Dreamcast beteiligt war und als Sega-Experte für Controller und Eingabegeräte galt.

Anstelle eines filigranen Analogsticks à la N64 hat das Saturn 3D Pad links einen kurzen Steuerstummel, der überraschend präzise ist, sowie ein D-Pad. Rechts befinden sich die üblichen 6 Buttons. Allerdings: Zierlich ist das Pad nicht gerade, und es dürfte ruhig etwas ergonomischer sein. Denn die markanten Griffe auf der Unterseite sehen zwar futuristisch aus, liegen aber nicht gut in der Hand.

Immerhin sorgt ein Schalter für reibungslosen Wechsel zwischen Digital- und Analogmodus – ein cleverer Kniff, der so manche Kompatibilitätsfalle elegant umgeht.

Sega 3D Controller
Auf der linken Seite befinden sich Stick und D-Pad…
Sega 3D Controller
…rechts die standard Saturn-Buttons.

Retro-Joystick #60: Pad Soldier

3 December 2025 at 11:51

Modell: Pad Soldier . Hersteller: Capcom . Erschienen: 1994

Der Capcom Pad Soldier gehört zweifellos zu den ungewöhnlicheren Controllern der 90er. In Zusammenarbeit von Capcom und Ascii entwickelt, sollte er das Spielhallen-Feeling von Street Fighter ins heimische Wohnzimmer bringen – kompakt, handlich und zu einer Zeit, als Arcade-Sticks für Konsolen noch eine Seltenheit waren.

Er erschien für SNES, Mega Drive (hier im Bild) und 3DO, wobei die Modelle jeweils leicht angepasst wurden – etwa mit zusätzlichen Schultertasten in der Super-Nintendo-Version. Auch die Farbgebung der Buttons orientierte sich am Look der jeweiligen Konsole.

Das Bedienkonzept stellt klassische Controller-Ergonomie auf den Kopf: Die linke Hand umfasst einen Pistolengriff, mit dem Daumen am Steuerkreuz, während die rechte Hand die Buttons wie Klaviertasten bedient, unterstützt vom Daumen auf der Unterseite. Trotz der ungewohnten Form erweist sich der Pad Soldier als erstaunlich komfortabel – allerdings braucht es Eingewöhnung, bis man sich mit der eigenwilligen Bedienung anfreundet.

Anmerkung der Redaktion: Wer Christians Joystick- und Gamepad-Fotos in einem richtig dicken Bildband (kurze Texte gibt’s auch, auf Englisch) erleben möchte, hat seit kurzem die Chance dazu: Trigger Happy (Bitmap Books, 38,95 Euro plus Versand).

 

Capcom Pad Soldier
Die Buttons werden gedrückt wie die Tasten beim Klavierspielen.
Capcom Pad Soldier
Der Pad Soldier war bestens geeignet für Street Fighter II auf dem Mega Drive.
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